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Getreide

Bioverita – ein Qualitätslabel für biologische Züchtung.

Biodiversität für die biologische Züchtung

Prebreeding: Weizen- und Dinkelmaterial sichten und erfassen

Ein wichtiges Anliegen der biologischen Züchtung ist die Vielfalt: Sie soll geschaffen werden, legt sie doch den Grundstein für den biologischen Anbau und begünstigt die Entwicklung von standortangepassten Getreidesorten. Das ist vorausschauend wichtig, je mehr Gentechnik andernorts angewandt wird.

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Foto: Marius Born, Winterthur
Getreidezüchter Peter Kunz in seinem Zuchtgarten

Die Pflanzenzüchtung spielt eine Schlüsselrolle in der biologischen Landwirtschaft. Eine Vielfalt von angepassten Sorten mit hoher Qualität ermöglicht eine effiziente und umweltgerechte pflanzliche Produktion. Die Getreidezüchtung Peter Kunz hat seit über 20 Jahren eine breite Basis an pflanzlichen Ressourcen von Weizen, Dinkel und Triticale geschaffen – darunter spezielle Typen mit geringer Anfälligkeit auf bodenbürtige Pathogene, und Typen mit sehr hoher Backqualität im extensiven Anbau. Viele andere Züchter und Institute greifen heute auf diese Ressourcen zu, um daraus eigene Sorten zu entwickeln.

Eine derartige Grundlagenarbeit entspricht den Zielen von Bioverita. Sie soll weitergeführt und gezielt ausgebaut werden können. Das Basismaterial aus den laufenden Kreuzungen (total 150 – 250 Kreuzungen pro Jahr) ergänzen spezielle ausländische Testsortimente sowie Zuchtmaterial anderer Züchter. Ohnehin ist das Interesse an einem regelmässigen Austausch gross – insbesondere was Weizenstämme mit hoher Backqualität und solche mit besonders geringer Krankheitsanfälligkeit betrifft. Wie und in welchem Umfang die Stämme jeweils geprüft werden sollen, wird in der Regel bilateral vereinbart. Meistens stehen die fremden Linien neben eigenen sowie neben Kreuzungspartnern. Sie werden gleich behandelt und beurteilt. Sehr arbeitsaufwendig sind die künstliche Inokulation (animpfen einer Zellkultur) mit Fusarien (Gattung von Schimmelpilzen) sowie die Backqualitätsuntersuchungen.

Auf solchen Projekten basiert die Züchtung guter Sorten für die biologische Landwirtschaft. Wird das Zuchtmaterial über Landes-, Instituts- und Firmengrenzen hinaus ausgetauscht, kann an dieser Basis weitergearbeitet werden. Breitet sich der Bio-Anbau aus, wird sich die Ressourcenbasis ebenso erweitern. In Zukunft wird es notwendig, noch mehr in diesen Bereich zu investieren. Vielfalt, Pflanzengesundheit und Qualität sind Themen der Zukunft, wobei die beiden letzteren einen Ausbau der bisherigen Infrastrukturen erfordern.

Die zu erwartende Ausbreitung von gentechnologisch veränderten Pflanzen und Pflanzen, die mit nichtbiokompatiblen Methoden erzeugt worden sind, wird den freien Austausch einschränken. Die Austauschpartner halten mit Gentechnikfrei-Erklärungen zurück, weil sie mit einer unkalkulierbaren Haftung verbunden sein könnten. Sollte in Zukunft sämtliches ausgetauschtes Material geprüft werden, ob es gentechnisch verändert worden ist, hätte dies immense Kosten zur Folge. Grossen Aufwand würde zudem die Zertifizierung als BIO-Züchtung verursachen, wollte man alle ausgetauschten Herkünfte detailliert dokumentieren und kontrollieren.